Plakat "Wendehals"
- Plakat
- Unbekannt (Hersteller*in)
- Berlin (Stadt); Historische Bezeichnung: Deutsche Demokratische Republik (Land)
- 1989
„Wendehals“Protestschild, 1989„Wendehals“ ruft das kreisrunde Pappschild und greift damit einen Begriff auf, der während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 oft gebraucht wird. Ein Wendehals ist jemand, der oder die sich neuen (politischen) Gegebenheiten und Meinungen auffallend wendig anpasst. 1989 richtet sich das Schimpfwort gegen Mitglieder der Parteien und Massenorganisationen der DDR ebenso wie gegen eifrige Vertreter*innen der autoritären Staatsmacht, die sich nun zur Mitarbeit in einem sich demokratisierenden Gemeinwesen anbieten.Zu sehen ist die comicartige Zeichnung eines jungen Mannes mit mehrfach verdrehtem Hals, dem Anstrengung ebenso anzusehen ist wie Ratlosigkeit. Das Schild bezieht sich konkret auf die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die offizielle Jugendorganisation der DDR.Die FDJ wurde 1946 gegründet und war zunächst eine parteiunabhängige Jugendorganisation. Da es daneben nur noch die kirchlichen Jugendorganisationen gab, fungierte die FDJ als „Staatsjugend“. Eine Mitgliedschaft in der FDJ war in der DDR zwar nicht zwingend, aber angeraten, um Studien- und Karrierechancen zu befördern, aber auch, um nicht als Außenseiter*in zu gelten. 80 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren waren FDJ-Mitglieder. Die FDJ bot auch Karrieremöglichkeiten. So waren Erich Honecker und Egon Krenz, spätere Generalsekretäre der SED, zuvor Vorsitzende der FDJ gewesen.Im Herbst 1989 verlor die FDJ zusammen mit der SED ihre Machtposition und verschwand binnen eines Jahres bis zur Bedeutungslosigkeit. Viele ihrer Funktionär*innen arrangierten sich schnell mit den neuen Verhältnissen. Sie werden in dem Plakat als „Wendehälse“ verächtlich gemacht.