Plakat "1990: Bonzen enteignen statt "Deutschland" vereinigen!"
- Plakat
- Unbekannt (Hersteller*in)
- Berlin (Stadt)
- 1989
„1990: Bonzen enteignen statt ‚Deutschland‘ vereinigen“Demonstrationsplakat, 1989Dieses Demonstrationsplakat stammt vermutlich aus dem späten November oder Dezember 1989 und zeugt von einem tiefen Misstrauen gegenüber der Politik. Für das folgende Jahr mahnt es ein radikales Handlungsprogramm an.Ende November waren durch einen Fernsehbeitrag die Wohn- und Lebensverhältnisse der Führungsspitze der SED bekannt geworden. In der 1958 erbauten „Waldsiedlung“ bei Berlin, in der quasi die gesamte Staats- und Parteispitze wohnte, gab es hochwertige Konsumgüter, ein Kino, ein Schwimmbad, eine eigene Gaststätte, ein Klubhaus sowie eine Poliklinik – also eine im DDR-Vergleich herausragende Versorgung. Diese Bevorzugung der Machthabenden stand dem Gleichheitsversprechen des Staates entgegen und wurde als unanständig wahrgenommen. Das verbreitete Bild vom Funktionär als „Bonze“ hatte also ein konkretes Aussehen erhalten. Gleichzeitig wendet sich das Plakat gegen die Vereinigung der beiden deutschen Staaten – und damit gegen ein Bestreben, das sich seit der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 immer stärker verbreitete. So wurde im Rahmen der Leipziger Montagsdemonstrationen erstmals Mitte November 1989 die Forderung „Wir sind das Volk“ ergänzt durch die Losung „Wir sind ein Volk“. Auch während einer Kundgebung von Bundeskanzler Kohl in Dresden am 19. Dezember forderten viele eine deutsche Einheit. Es ist also gut möglich, dass das Transparent auf der ebenfalls am 19. Dezember in Berlin stattfindenden Demonstration für einen eigenständigen Weg der DDR gezeigt worden ist. Dem Aufruf dazu von Bürgerrechtsorganisationen, aber auch von der in PDS umbenannten SED folgten 50.000 Menschen.